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Wie aus "Pepe Heinrich" ein "Johannes" wurde

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Wie aus "Pepe Heinrich" ein "Johannes" wurde

Johannes ist einer der "Heinrich"-Katzen, der als ehemaliger "Wildling" äußerst scheu ist und gemeinsam mit seinen Geschwistern Menschen meidet. Denn leider ist es ja so, dass wenn die Katzen in der sensiblen Phase in Bezug auf die Sozialisation mit Menschen (zwischen der 2. und 7. Lebenswoche) keinen Kontakt mit Menschen haben, eine spätere Gewöhnung sich als schwierig gestaltet. Schwierig heißt jedoch keinesfalls unmöglich, durch Einfühlungsvermögen, Beschäftigung mit dem Tier und viel Geduld können aus ihnen sogar noch richtige Schmusekatzen werden.

Johannes kam ja nun außerhalb der sensiblen Phase erst im Alter von 4 Monaten mit seinen Geschwistern ins Katzenhaus. Da die meisten Interessenten lieber einen Schmuser möchten und keinesfalls ein Tier, das ständig auf der Flucht ist, wenn man es nur anguckt, sitzen seine Geschwister bis zum heutigen Tage im Katzenhaus, obwohl sie äußerst reizende Katzen sind. Wegen ihrer Scheu bekommen sie fast kaum eine Chance, vermittelt zu werden, oder eben nur als Freigänger oder Bauernhofkatzen, wodurch ihre Aussichten, zahm zu werden, gegen null schrumpfen.

Laut Rosemarie Schär, der berühmten Katzenverhaltensforscherin, ist es sogar so, dass scheue Katzen vor einem halben Jahr überhaupt keinen Freigang genießen dürfen, weil sie sich sonst sehr schnell dem menschlichen Kontakt wieder entziehen. Die günstigste Konstellation ist in einer Wohnungshaltung, wo sie umgeben sind von zahmen Artgenossen, an denen sie sich dann orientieren können (siehe Rosemarie Schär: Die Hauskatze - Ulmer Verlag). Je mehr "Wildlinge" dabei sind, um so schwieriger wird es, ihr Vertrauen zu erlangen.






Johannes kam nun vor fast vier Wochen zu uns, in einen Haushalt mit zwei Schmusern, einem Kater und einer Kätzin und in reine Wohnungshaltung. Die Voraussetzungen waren also ideal. Nachdem sich Johannes in den ersten Tagen und Nächten ausschließlich verkrochen hatte und selbst zum "Geschäft" erledigen und Fressen nur im Schutze der Dunkelheit und Nacht herauskam, wo er dann auch die Möglichkeit hatte, seine Umgebung zu erkunden, sah man im Laufe der Zeit immer mehr von ihm. Zuerst nur eine Schwanzspitze, die hinterm Sofa verschwand, dann mal eine Nase, die um die Ecke lugte.



Durch häufiges Beschäftigen mit ihm, immer wieder mit ihm beruhigend Reden, zum Spielen animieren, ruhige langsame Bewegungen von mir selbst und ihn beobachten lassen, wie ich mit den anderen Katzen umgehe, fasste er nach und nach ein wenig Vertrauen. Dazu kam, dass er sich von Anfang an gleich mit Gustav und Nelly verstand. Johannes ist - wie die meisten scheuen Katzen - äußerst sozial Artgenossen gegenüber, besonders zu Gustav hat er eine innige Beziehung, hat sich völlig an ihm orientiert. Dass ihm auch die reine Wohnungshaltung überhaupt nichts ausmacht, obwohl er in seinen ersten Lebensmonaten ja auf der Straße im Freien gelebt hat, erkennt man deutlich daran, dass ihn der hier den ganzen Tag zur Verfügung stehende Balkon am wenigsten interessiert. Er schaut mal kurz, widmet sich dann lieber anderen Aktivitäten oder döst in einen der Kratzbaumhängematten oder auf der Couch.


Inzwischen ist es so, dass Johannes sich wie selbstverständlich durchs Haus bewegt, mit Gustav durch die Gegend tobt, um mich umzu wuselt, wenn Futterzeit ist , sich aufs Sofa legt, selbst wenn ich darauf sitze, eben nur die Fluchtdistanz von ca. ein / zwei Metern einhaltend. Nur anfassen lässt er sich noch nicht, aber auch das wird noch werden.

Johannes ist für uns alle hier eine Bereicherung und Freude. Besonders hinsichtlich der Zusammenführung mit meinen Alteingesessenen, wo es ja oftmals Probleme gibt, waren überhaupt keine Schwierigkeiten. Und jedes Mal, wenn er ein Stück mehr Vertrauen gefasst hat, mir zublinzelt, wenn man sieht, wie zufrieden er ist und ich seinen Umgang mit Gustav und Nelly sehe, zaubert es mir ein Lächeln auf die Lippen und Freude ins Herz.


Ich würde mir sehr wünschen, daß auch die anderen Heinrich-Katzen ein Zuhause bekommen, was diese wundervollen Katzen so sehr verdient haben, - wie jedes Lebewesen auf dieser Welt. Sie sind für jeden ruhigen, katzenerfahrenen Haushalt geeignet und warten sehnlichst darauf, dass auch sie nicht den Rest ihres Lebens im Tierheim fristen müssen - auch wenn sie dort noch so gut versorgt werden.


Kirchtimke, im Juni 2009


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