Apple Pie

Hallo! Mein Name ist Apple Pie. Ich bin ein Kater, bin blind und FIV+ (Katzenaids). Im Juni 2019 wurde ich geboren und seit Dezember 2019 lebe ich in Bremen zusammen mit meinen 3 Adoptivgeschwistern. Dass ich blind bin, stört mich überhaupt nicht und ich denke gar nicht mehr daran.

 

Ich habe zwei Schwestern, Neroli und Paulinchen, beide sind 4 Jahre alt, und einen Bruder, der Glauco heißt. Glauco ist der älteste und schon 5. Er ist auch blind. Der Tierarzt hat festgestellt, dass er aber noch 5 % sehen kann.

Aber alles der Reihe nach: 

Dort, wo ich geboren wurde, hat man sich nicht gut um mich gekümmert und ich wurde sehr krank.

 

Meine Augen waren entzündet, ich hatte Fieber und starken Schnupfen. Aber ich hatte großes Glück und bin von einem ehrenamtlichen Mitarbeiter eines Tierheims gerettet worden. 

Ansonsten würde ich jetzt bestimmt nicht mehr leben und könnte euch nicht meine Geschichte  erzählen.

 

Das war Anfang Oktober 2019. Durch die gute Pflege in dem Tierheim ging es mir langsam besser. Aber meine Augen sahen schlimm aus. Das linke Auge war so gut wie gar nicht mehr vorhanden und das andere war vergrößert und sah milchig aus. Das hat mich aber nicht gestört, denn ich war in einer warmen Box, hatte ein weiches Bett und immer leckeres Futter.

 

Eine von den Mitarbeiterinnen des Tierheims hat sich sofort in mich verliebt. So etwas merkt man als schlauer Kater, der ich ja bin. Von ihr habe ich auch den Namen Apple Pie“ bekommen. Weil der Apfelkuchen nämlich ihr Lieblingskuchen ist und ich war ihr „Liebling“. So hat sie es meiner zukünftigen Mama erzählt.

 

Sie hat mich viel in den Arm genommen und mir sogar etwas vorgesungen. Man war das schön und ich war so stolz. 

Über Umwege kam meine zukünftige Menschenmama zu mir an meine Box und ich wurde ihr vorgestellt. Ich sah wie ihre Augen leuchteten. Sie hat mich in den Arm genommen und ich wusste, dass sie meine Mama werden wird.

Ich habe mein Köpfchen an ihre Schulter gedrückt und mein Näschen an ihrem Gesicht gerieben. Und schon war es um sie geschehen. 

Vor meiner Reise in mein neues Zuhause nach Bremen im Dezember 2019 musste aber das kaum noch vorhandene Auge entfernt werden. Kurz vorher hat sich dann auch noch das andere Auge so stark vergrößert, dass es auch nicht mehr gerettet  werden konnte. Es hätte sonst platzen können. 

 

Am 14.Dezember 2019 war es endlich soweit und meine Menscheneltern haben mich abgeholt. In meinem neuen Zuhause habe ich zuerst mein eigenes Zimmer bekommen, damit ich in Ruhe ankommen konnte. Meine Mama und mein Papa haben aber im gleichen Raum geschlafen, so dass ich nicht allein war. 

 

Schon in der ersten Nacht haben wir zusammen gekuschelt. Das war so toll. 

 

Es hat etwas gedauert bis ich mich getraut habe, alles zu erkunden. Es war alles so neu für mich: Ein Haus mit 3 Etagen, die Zimmer, die Treppen. Daran muss man sich als blinder Kater erst mal gewöhnen. Ich wurde in der ersten Zeit oft die Treppe hoch und runter getragen und verbrachte viel Zeit mit meinen Menscheneltern auf dem Sofa. Außerdem waren da ja noch meine 3 Geschwister. Am schwersten war es mit Neroli.

 

Wenn ich ihr zu nahe kam, hat sie mich oft attakiert, so dass ich  dann die Lage unter einem Stuhl oder Tisch beobachtet habe. Sie musste ja erst einmal verstehen, dass ich blind bin und dass das der Grund war, dass ich ihr manchmal zu nahe gekommen bin. 

Aber nach ein paar Wochen ist der Knoten geplatzt und ich habe angefangen, das Haus zu erkunden. Zuerst das Wohnzimmer, dann die Küche. Ich habe mich an Wänden und Möbeln orientiert. Das ging richtig gut. 

Und dann machte ich auch keinen Halt mehr vor der Treppe. 

 

Ich fing an, die Treppen hoch und runter zu rasen und mit Glauco, Paulinchen und Neroli zu spielen. Wir haben einen kleinen gesicherten Garten, wo ich auf dem Dach unseres Katzenhauses die Sonnenstrahlen genießen und den Vögeln zuhören kann. Ein paar Mäuse habe ich auch schon gefangen.

 

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mittlerweile der Boss in unserer Familie bin. Manchmal scheine ich die anderen etwas zu nerven, weil ich doch so gerne spiele. Und zum Spielen gehört für mich auch springen, jagen und herumtollen und das mögen sie nicht immer. Dann wird schon mal ordentlich gefaucht.

 

Mein Lieblingsspielzeug ist eine Maus, die nach Katzenminze riecht und Geräusche macht. Von diesen Mäusen habe ich  ganz viele. Ich verstecke sie draußen in den Beeten, unter Schränken, Tischen, Betten...einfach überall. Und dann finde ich immer mal wieder eine und spiele mit ihnen. 

 

Richtig klasse finde ich es auch, wenn meine Menscheneltern die Mäuse durch den Raum werfen und ich sie jagen und wieder zurückbringen kann.

 

Wenn Essenszeit ist, warte ich mit Glauco vor unseren Näpfen und wir raufen ein wenig bis es endlich soweit ist. 

 

Glauco ist in allem ein bisschen vorsichtiger als ich und er ist ein toller Kumpel.

Ich habe meine Geschwister ganz doll lieb. Am liebsten teile ich mit Glauco ein Körbchen und wir kuscheln und putzen uns. Zu Paulinchen darf ich manchmal auch ins Körbchen und sie putzen. Neroli erlaubt es mir neuerdings auch sie zu  putzen. In ihr Körbchen darf ich noch nicht, aber ich kriege sie bestimmt auch noch rum. 

 

Ich möchte allen Menschen sagen: Habt keine Angst, eine blinde Katze zu adoptieren. Auch wenn ihr mal Möbel umstellen wollt, ist das kein Problem  für uns. Wir brauchen keine Augen.

 

Wir können mit den Schnurrhaaren und dem Geruchssinn genauso gut sehen.

 

 

 

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